Bio

Okay. Im „About“ stehen ja schon ein paar Informationen über mich, im Zusammenhang mit der Daseinsberechtigung dieses Blogs. Auf dieser Seite werde ich etwas ausführlicher und erzähle, was ich bisher so getan habe und womit ich mich aktuell (Mai 2009) beschäftige. Vielleicht halte ich diese Seite sogar aktuell – mal sehen.

Kindheit

Ich wurde am 29. August 1958 um 11:55 Uhr in Berlin-Charlottenburg geboren, genauer gesagt in der vierten Etage im Vorderhaus der Schustehrusstraße 1. Mein Großvater betrieb in der Schustehrusstraße 18 eine Schusterei, wo ich mich oft aufhielt. Außer dem Ladenraum gab es dort noch ein Schlafzimmer, eine Küche, einen Flur und ein Außenklo. Mir gefiel es dort. Vielleicht erklärt das, warum ich einfache Verhältnisse liebe und keinen Luxus brauche.

Ich ging in die Ludwig-Cauer-Grundschule in Charlottenburg. Die Grundschule ging schon damals bis zur sechsten Klasse, ich ging aber schon nach der vierten Klasse ins Gymnasium (Goethe-Gymnasium, Berlin-Wilmersdorf), wo ich auch das Abitur machte. Die Grundschule machte mir Spaß, weil ich immer der Klassenbeste war. Das Gymnasium machte mir weniger Spaß, weil ich mächtig gemobbt wurde und wenig lernte. Immerhin verließ ich es mit dem Großen Latinum und dem Graecum, wenn auch mit einer Abiturnote von 3,2.

Mit sechs Jahren fing ich an, Violine zu spielen, mit vierzehn hörte ich damit auf und sattelte auf Gitarre um. In den glitter years war Violine einfach nicht angesagt. Gitarre spiele ich immer noch, und, seit ich 49 bin, auch Klavier. Musik machen ist aus meinem Leben nicht wegzudenken.

Ich hatte einen amerikanischen Brieffreund, den ich dreimal in Neuengland besuchte. Einmal verbrachte ich geschlagene sieben Wochen dort, und war gezwungen, von morgens bis abends englisch zu sprechen. Als ich nach Deutschland zurückkehrte, dauerte es ein paar Tage, bis ich wieder normales Deutsch reden konnte. (Ich war damals knapp 14 Jahre alt.) Dieser Aufenthalt war die Basis für meine Englischkenntnisse, und, wie ich damals noch nicht vorausahnen konnte, für einen entscheidenden Teil meiner späteren Berufslaufbahn.

Wanderjahre

Recht lustlos studierte ich zuerst ein bisschen Linguistik, dann Elektrotechnik. Letzteres nur, weil ich Tonmeister werden wollte. Damals nahm ich Klavierunterricht, sah aber bald ein, dass ich bis zur Aufnahmeprüfung wohl noch ein paar Jahre würde üben müssen, und gab auf. Elektrotechnik schmiss ich, weil ich mit dem bisschen mathematischen Hintergrund, den mir das humanistische Gymnasium gegeben hatte, mit Höherer Mathematik nicht klar kam.

Ich machte den P-Schein (Personenbeförderungsschein) und war zwischen 1980 und 1990 Taxifahrer. Zwischendurch machte ich immer mal wieder etwas anderes. 1982 gründete ich mit anderen ein Kneipenkollektiv (Taxemoon), das äußerst erfolgreich wurde (allerdings ohne mich). 1985 sah ich ein, dass ich wohl nie ein berühmter Rockstar werden würde, und machte mich auf den Weg nach Südosten. Ich lebte ein gutes Jahr in der Türkei und auf den griechischen Ägäis-Inseln, mit 2000 Mark und ein paar odd jobs.

Dort erlebte ich, was Armut und Unterernährung auch und gerade für Kinder bedeutet. (Ich selbst war arm, habe aber nie gehungert.) Das hat mich geprägt. Ich kann bis heute nicht das Gejammer von Leuten ab, die sich als arm bezeichnen, bloß weil sie sich „nur“ ein altes Auto und eine mickrige 100-Quadratmeter-Wohnung leisten können.

Als ich 1986 nach Berlin zurückkehrte, besaß ich einen 30 Kilo schweren Rucksack, vollgestopft mit esoterischen Büchern, und zwei Umzugskartons mit merkwürdigen Utensilien (hauptsächlich Fotoalben) im Keller meiner Eltern.

Studium

Ich war down and out und brauchte eine Perspektive. Immerhin hatte ich ja das Abitur, also ging ich zur Berufsberatung des Arbeitsamts und fragte, was man denn heute so studiere. Der Berufsberater war ob meiner Frage einigermaßen überrascht, sagte dann aber, dass ja gerade „Wall Street“ im Kino liefe und daher derzeit BWL (Betriebswirtschaftslehre) en vogue sei. Ich bedankte mich für den Hinweis und schrieb mich an der TU Berlin für BWL ein.

Als nächstes war ich überrascht, denn das Fach gefiel mir zu meiner völligen Überraschung sehr. Insbesondere Kostenrechnung und Controlling, von den meisten BWLern gehasst, taten es mir an. Ich bin heute noch großer Fan der Riebelschen Einzelkosten-Deckungsbeitragsrechnung.

Das Grundstudium absolvierte ich trotz Studentenstreik in weniger als vier Semestern. Das Hauptstudium (Hauptfach: Controlling) zog sich allerdings in die Länge. Der Grund dafür war die Maueröffnung. Plötzlich gab es gut bezahlte Studentenjobs für Leute, die in der Lage waren, kaufmännisch orientierte Angestellte aus dem Osten Deutschlands zu „updaten“. Ich geriet mehr und mehr in einen Vollzeitjob hinein.

Trainer

Zuerst unterrichtete ich kaufmännische Fächer, dann zunehmend auch EDV-Anwendungen. Die TU hatte mir eine recht solide Grundlage in Computern geboten. Dort hatte ich unter anderem COBOL gelernt, was ich auch unterrichtete.

Als ich es 1996 endlich schaffte, mein Studium als Diplom-Kaufmann abzuschließen, hatte ich mehrere Jahre in Vollzeit gearbeitet. Das war gewissermaßen eine traumatische Erfahrung. Ich habe bis heute gelegentlich Alpträume, dass ich immer noch den einen oder anderen Uni-Kurs absolvieren muss, um mein Studium zu beenden.

Als Trainer arbeitete ich letztlich bis 2003, wenn auch mit etlichen Unterbrechungen. Das sind zusammen genommen 13 Jahre, was erklärt, dass mir Wissensvermittlung und gutes Präsentieren von Themen keine Schwierigkeiten bereitet. Wer so lange Trainer war, war das entweder aus Masochismus oder aus Leidenschaft. Bei mir war’s letzteres.

Computer

Mit Computern war ich bereits 1979 in Berührung gekommen. Im Rahmen meines Studiums der Elektrotechnik hatte ich einen Kurs in ALGOL belegt. Damals waren das für mich allerdings böhmische Dörfer. Ich hatte nicht die leiseste Idee, worum es ging.

Nach einer langen Pause kam dann 1988 ein Pflichtkurs an der TU Berlin. Wir saßen an Mainframe-Terminals, kämpften mit dem Betriebssystem CP/M und schrieben COBOL-Programme, die durch langsame Compiler gejagt wurden. Das „Debuggen“ erfolgte, indem wir den Quellcode auf Endlospapier ausdruckten und mit dem Assistenten durchgingen. Ich gewöhnte mir Genauigkeit an – ein einfacher Tippfehler konnte einen um eine Stunde zurückwerfen.

Dann lernte ich Leute kennen, die einen Apple Macintosh besaßen. Was für ein Quantensprung in punkto Bedienbarkeit! Ich war nicht reich genug, um mir einen Macintosh zu leisten, daher kaufte ich einen Atari ST. Der Computer war in die Tastatur eingebaut und hatte keine Festplatte. Als Datenspeicher diente ein Diskettenlaufwerk, das sich ebenfalls in der Tastatur befand.

Nach kurzer Zeit erwarb ich einen Bausatz, mittels dessen ich den Atari in einen Tower umbaute. Dieser Tower hatte zwei SCSI-Festplatten mit damals gigantischen 60 Megabyte Speicherplatz. (Ich behaupte heute noch, dass das Speichern auf diesen Festplatten schneller ging als mit heutigen Maschinen.) Mein erstes käuflich erworbenes Programm war übrigens StarWriter. Das war lange, bevor dieses Programm auf MS-DOS portiert wurde, und Ewigkeiten vor seiner Veröffentlichung als quelloffene Teilanwendung von OpenOffice.org.

Um MS-DOS kam ich allerdings nicht lange drum herum. Die meisten kaufmännischen Anwendungen und viele andere Programme liefen nur unter diesem Betriebssystem. Daher baute ich in meinen Atari-Tower einen MS-DOS-Emulator namens PC-Speed ein, mit dem ich vom Atari-Betriebssystem TOS aus MS-DOS starten konnte. Eines der letzten Erlebnisse mit PC-Speed war der Start von Windows (3.0) und WinWord 1.0. Es dauerte geschlagene fünf Minuten, bis WinWord betriebsbereit war.

1990 nahm ich mir nach dem von mir beschlossenen endgültigen Ende meiner Taxifahrer-Karriere und dem Abschluss meines Grundstudiums ein halbes Jahr Auszeit, um Datenbanken zu lernen. Ich installierte dBase III+, kaufte ein Buch dazu und legte los. Datenbanken erschienen mir damals wie der heilige Gral der Computerei. Ich wusste allerdings nicht, wie recht ich damit hatte.

Programmieren mit dBase hatte allerdings harsche Einschränkungen, was mich veranlasste, auf die Programmiersprache Clipper umzusteigen. Mit Clipper schrieb ich im Auftrag Anwendungen für Architekten. Ich verdiente nie ernsthaft Geld damit, aber bekam eine Menge an Erfahrung. Außerdem lernte ich dadurch meine Frau kennen – sie arbeitete damals in einem der Architekturbüros, für die ich programmierte.

Das Programmieren mit Clipper veranlasste mich auch, PC-Speed aufzugeben und mir für 4.500 Mark einen Rechner mit MS-DOS und Windows 3.1 zu kaufen. Diesen Rechner rüstete ich nach und nach mit Neuerungen wie Soundkarte und ISDN-Karte auf. Als ich 1995 ins Internet startete, lief die Verbindung allerdings noch über einen analogen Telefonanschluss und ein Modem.

Schriftsteller

In meiner im vorherigen Abschnitt erwähnten Auszeit 1990 schrieb ich auch ein Buch, dass ich allerdings nie veröffentlichte. Irgendwie habe ich es geschafft, den Text durch die Zeiten, Rechner und Betriebssystem-Wechsel zu retten. Hier ist er.

Das Schreiben von Prosa und Poesie hat mich immer schon gereizt. Bereits in früher Jugend schrieb ich absurde Texte, irgendwo zwischen Fantasy und Science Fiction angesiedelt. Sollte ich mal mehr Zeit als heute (also keine) dazu finden, werde ich mich wieder hineinstürzen.

Internet

1995 kam das Internet nach Deutschland. Okay, es war schon jahrelang da gewesen, ebenso wie das World Wide Web (WWW), aber 1995 rückte es ins Bewusstsein der Allgemeinheit.

Ich war seit Anfang der 1990er Jahre über CompuServe ins Netz gegangen, nur war dieses Netz nicht das Internet, sondern das CompuServe-eigene. Ich hatte mit amerikanischen College-Studenten gechattet, die mich „strange“ fanden, aber ernsthaft hatte mich dieses Netz nie interessiert. Dasselbe galt für all die anderen Netze wie FidoNet.

Als ich das erste mal vom WWW hörte, war es für mich wie eine Offenbarung, oder wie ein Kindheitstraum aus den 1960er Jahren, der wahr geworden war. Ich hatte schon als Kind von „information at your finger tips“ geträumt, von einem Wissensschatz, der allzeit und einfach abrufbar wäre. Nun, plötzlich war er da. Das WWW war damals zwar im Vergleich zu heute noch öde und leer, wie Clifford Stoll 1996 sagte, aber ich hatte eine sehr genaue Vorstellung, dass das nicht so bleiben würde. Wieder einmal wusste ich nicht, wie recht ich behalten würde.

Ich stürzte mich mit Begeisterung ins WWW, und lernte zwangsläufig auch all die anderen Technologien kennen, die mit dem Internet verbunden waren. Mitte 1996 waren Mail, FTP und Konsorten für mich altvertraute Bekannte. Ich begeisterte einige Studienfreunde, etwas mit dem Internet zu tun. Was genau, wussten wir noch nicht, aber schon bald hatten wir die Idee, Pizzabestellungen übers Internet zu ermöglichen. Wir gingen zu einem Berliner Provider und wollten in fröhlicher Naivität die Domain pizza.de reservieren. Auf die harte Tour lernten wir, dass eine Domain nicht unbedingt frei sein muss, nur weil sie nicht erreichbar ist. Also reservierten wir pizzaservice.de. Die Einrichtung schlug mit 2.500 Mark zu Buche, und monatlich mussten wir 500 Mark für das Hosting berappen.

iConnect

Das war für uns Studenten im Endstadium des Studiums ganz schön teuer, daher überlegten wir, wie man mit dem WWW Geld verdienen könnte. Zunächst brauchten wir eine Firma, also gründeten wir die interConnect Hinz/Heyer/Ott GbR. Die WayBackMachine hat bis heute noch eine Kopie unserer ersten „richtigen“ Seiten, für die wir zumindest ein rudimentäres Konzept hatten. Unser zweites Projekt, Weinmarkt Deutschland, zogen wir 1996 auf. Hierfür brauchten wir einen Online-Shop, in dem man tatsächlich bestellen konnte. Den programmierte uns ein Jugendlicher aus den USA in Perl. Die Überweisung von 250 Dollar war ein echtes Abenteuer. Und so hatten wir einen der ersten Shops im deutschsprachigen WWW. Es gab nur eine Bestellseite pro Shop, und wenn ein Weinhändler mehr als 100 Weine verkaufen wollte, mussten die Kunden ganz schön lange warten, bis die Seite aufgebaut war. Aber immerhin, es funktionierte, und Bestellungen wurden den Weinhändlern über ein Mail-zu-Fax-Gateway ins Haus geschickt. Leider begriffen wir lange nicht, was für ein Nugget wir in der Hand hatten – damals konnte man schon mit der Idee für einen solchen Shop reich werden.

Wir aber telefonierten sämtliche Weinhändler Berlins ab, erklärten den erstaunten Geschäftstreibenden, dass das Internet nicht nur eine Spaßveranstaltung für Schüler und Studenten sei (die meisten glaubten uns nicht), und richteten die Shops auf Weinmarkt Deutschland ein, indem wir papierne Bestell-Listen einscannten und via Excel nach HTML konvertierten. Wir steckten unglaublich viel Arbeit in diese Sache und akquirierten viele weitere Weinhändler, indem wir zu Messen wie Pro Wein fuhren – allein, der geschäftliche Erfolg blieb aus. Auch das Customizing von Shops, also das Kreieren individueller Shops im Auftrag, ließ uns eher hungern als Sekt trinken. Also machten wir uns in leicht veränderter Besetzung daran, eine Standardsoftware für Online-Shops zu entwickeln: js-webShop.

Das Projekt war gewagt, aber nach fast einem Jahr hatten wir es trotz etlicher Krisen geschafft: Die Shop-Software war fertig. Sie war komplett in JavaScript geschrieben. Nur das Speichermodul besaß ein paar Zeilen Java, um Schreibzugriff auf die Festplatte zu haben. Die Shops, die man damit erzeugte, liefen sogar von CD-ROM. Die gesamte Software lief im Browser – selbst die Administration, was für damalige Verhältnisse ziemlich fortgeschritten war. Die Implementierung in JavaScript hatte natürlich etliche Nachteile. So konnten die Shops nicht beliebig groß werden, weil das Sortiment in JavaScript-Arrays gespeichert wurde, und diese Arrays wurden beim „Betreten“ des Shops allesamt geladen. 250 Kilobyte war für damalige Verhältnisse schon die Obergrenze für das Laden einer „Seite“, und damit war das Sortiment auf 100 bis 200 Artikel pro Shop beschränkt. Außerdem tobte 1998 noch der Browser-Krieg, so dass man mit JavaScript nie auf der sicheren Seite war: Manche Browser unterstützten JavaScript so, andere so.

Unternehmer

Trotzdem wagten wir Anfang 1996 den Sprung ins kalte Wasser, sammelten Startkapital von Fools, Friends & Family ein und gründeten die iConnect GmbH. Über das, was folgte, könnte ich gut und gern ein ganzes Buch schreiben. Kurz gesagt mieteten wir einen Raum in einem Weddinger Gründerzentrum und legten mit wenigen Angestellten und Praktikanten los. Mittels eines Beraters erstellten wir einen Geschäftsplan, was sich aufgrund interner Differenzen endlos in die Länge zog. Im Gründerzentrum sahen wir um uns herum frisch gegründete Firmen kometenhaft aufsteigen, in Millionen von Risikokapital schwimmen und schmachvoll verglühen. Im Laufe unserer Dotcom-Karriere hatten wir wohl mit jedem deutschen Dotcom-Unternehmen mindestens einmal Kontakt. Als wir endlich unseren Geschäftsplan fertig hatten, präsentierten wir unsere Idee vor etlichen Risikokapitalgebern, aber da war es schon zu spät: Das Ende des Dotcom-Booms zeichnete sich bereits ab. Im Frühjahr 2000 fing mit Boo.com die Dotcom-Blase an zu platzen, und wir hatten kein Kapital mehr.

Nach längerem Dahindarben stiegen die anderen Gesellschafter aus, und ich führte das Unternehmen weiter. Wir stiegen wieder im Trainingsmarkt ein und machten auch wieder Projektgeschäft, was anfangs recht ordentliche Stundensätze einbrachte. Ich besann mich wieder auf meine alte Leidenschaft, Datenbanken, und stolperte so beinahe zwangsläufig über MySQL. MySQL hatten wir zufällig bereits 1997 für einen Auftrag eingesetzt, bei dem wir ein Online-Vertragsabschlusssystem für ein Medienunternehmen erstellt hatten. Danach hatten wir uns dann aber JavaScript und datenbanklosen Anwendungen zugewendet.

Was mir bei MySQL gleich ins Auge stach, war die für Open-Source-Verhältnisse ausgezeichnete Dokumentation. Das Handbuch war nicht nur ziemlich vollständig, sondern auch noch lesbar. Was ich damals noch nicht wusste, war, dass dies das Verdienst meines späteren Kollegen Paul DuBois war. Es gab eine unvollständige deutsche Übersetzung des Handbuchs, die vor Stil- und Rechtschreibfehlern strotzte. Das tat mir in der Seele weh, und ich schrieb blauäugig an info@mysql.com, dass ich dem Übersetzerteam gerne behilflich sein würde. Aber es gab kein Übersetzerteam. MySQL war gerade erst als Unternehmen gegründet worden und hatte vielleicht 25 Mitarbeiter.

MySQL

Im August 2001 traf ich Mårten Mickos und Kaj Arnö in Frankfurt am Main. Nach kurzem Gespräch schlug Kaj vor, dass ich das deutsche Übersetzerteam sein könnte. Ich ließ mich darauf ein. In der Folge übersetzte ich in jeder freien Minute das Handbuch, das damals schon 1100 Seiten umfasste. Ich weiß nicht, wie ich das überhaupt geschafft habe, denn ich führte ja noch mein Unternehmen und unterrichtete selbst fast jeden Tag. Irgendwie kriegte ich es dennoch hin, und nach fünf Monaten war das Werk übersetzt. (Professionelle Übersetzer sagten mir später einmal, dass ich mit der 4- bis 5-fachen Geschwindigkeit normaler Übersetzer gearbeitet haben muss.) Während ich übersetzte, starb mein Vater, und mein erster Sohn wurde geboren.

Das Handbuch übersetzte ich, indem ich oben am Bildschirm den englischen Text las und unten gleichzeitig die deutsche Übersetzung tippte. Fürs Korrekturlesen blieb keinerlei Zeit. Als die Übersetzung fertig war, ging sie bei MITP auch gleich in den Druck. Ich bin bis heute noch stolz darauf, dass die deutsche Übersetzung einen vollen Monat vor dem englischen Original im Druck erschien.

Anscheinend hatte Kaj nicht damit gerechnet, dass ich das Handbuch tatsächlich in erlebbarer Zeit übersetzen würde. Er war sichtlich beeindruckt. In der Folgezeit arbeitete ich an etlichen Aufträgen für MySQL. Der größte Auftrag war als Co-Autor des Certification Study Guide for MySQL 4.0. Mir stockte der Atem, als ich hörte, dass der Hauptauthor der berühmte Paul DuBois sein würde. Dessen Buch mit dem schlichten Titel MySQL hatte schließlich nicht unerheblich zur Popularität dieses Datenbanksystems beigetragen. Paul, ich und Carsten Pedersen, der damals gerade das MySQL-Zertifizierungsprogramm aufbaute, stellten das Buch halbwegs planmäßig fertig. Kaj lud uns nach München ein (Paul kam allerdings nicht) und eröffnete mir dort, dass er mich (und Paul) gerne anstellen würde.

Das war ein Wink des Himmels. Der Markt für Schulungen brach in Berlin Anfang 2003 um 80% ein, und ein Bildungsträger nach dem anderen ging in Konkurs. Meinem Unternehmen brachen die Aufträge weg. Ich entließ die verbliebenen zwei Angestellten und unterzeichnete einen Arbeitsvertrag bei der soeben gegründeten MySQL GmbH.

Seitdem bin ich dabei. Ich wurde Anfang 2003 angestellt als Trainer, Übersetzer und technischer Redakteur. (Damals übersetzte ich technical writer noch als technischer Schreiber, was in meiner Heiratsurkunde dann auch als Beruf steht. Ich finde das irgendwie ganz nett, denn es hat etwas Klassisches, so wie Schmied oder Töpfer.) Die Strukturen bei MySQL waren wie bei jedem Startup-Unternehmen alles andere als geordnet. 2004 wurde dann aus dem Konglomerat aus Trainern, Übersetzern und technischen Redakteuren ein richtiges Dokumentationsteam erschaffen. Im Sommer 2004 bekam ich einen Anruf von Kaj, der mich fragte, ob ich das Team leiten wolle. Ich sagte zu. Dann rief mich mein neuer Chef an, während ich mit meinem zweiten Sohn im Wickeltuch durch die Wohnung lief, damit er bloß nicht aufwachte. Ab Herbst 2004 leitete ich dann das frisch etablierte Dokumentationsteam von MySQL. Ich war der einzige Nicht-Muttersprachler, alle anderen sprachen Englisch von der Wiege auf.

MySQL war ein virtuelles Unternehmen. Selbst im späten, etablierten, Stadium arbeiteten nur knapp 30% der Belegschaft in regulären Büros. Der Rest arbeitete wie ich irgendwo: im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, in der Scheune, im Café, oder wo auch immer ein Internet-Anschluss war. Im Hinterhaus des Friedenauer Hauses, in das ich mit meiner Frau Astrid und meinem ersten Sohn Lennart gerade gezogen war, war eine kleine Wohnung im Hinterhaus frei. Die wollte der Vermieter eigentlich nicht vermieten, ließ sich dann aber doch darauf ein, und MySQL mietete im Gegenzug zu einem partiellen Gehaltsverzicht das Büro, in dem ich bis heute (2009) arbeite. Wenn ich zur Arbeit gehen, verlasse ich die Wohnung, laufe zwei Treppen hinab, überquere den Hof, und laufe zwei Treppen hinauf – eine umweltfreundliche Art, zur Arbeitsstelle zu gelangen.

MySQL wurde Anfang 2008 von Sun gekauft. Sun wurde im Frühjahr 2009 von Oracle gekauft. Ich arbeite immer noch so wie ganz am Anfang, jetzt mit einem Team in Großbritannien, Schweden und den USA.

Kinder

Anfang 2002 wurde mein erster Sohn Lennart geboren. Ich war damals 43 Jahre alt. Am Pfingstmontag 2004 wurde mein zweiter Sohn Finn geboren. Lennart ist kognitiv akzeleriert (mit anderthalb Jahren konnte er schon problemlos Buchstaben identifizieren), so dass ich 2005 Mitglieder der DGhK wurde. Durch die Arbeit von zuhause aus (oder jedenfalls ungefähr von zuhause aus) sehe ich meine Kinder oft, und verbringe so viel Zeit mit ihnen wie möglich.

Musik

Ich höre nicht besonders viel Musik, und hasse es, Musik nebenher dudeln zu lassen. Dafür mache ich aber um so mehr selbst Musik. Seit Ewigkeiten spiele ich Gitarre und singe, vorwiegend Lieder aus den 1960-er Jahren. Vor zwei Jahren bekamen wir ein Klavier geschenkt, und seither übe ich Bach und Rockmusik, sozusagen Barock und Rock. Gelegentlich mache ich mit meinen Söhnen eine Jam Session. Im Übrigen wohnen wir in einem ausgesprochen musikalischen Haus: Wir haben bei unseren weniger als 20 Mietparteien allein 4 Gitarristen und 1 Schlagzeuger, meine Jungs nicht mitgerechnet.

Heute

Ich arbeite 45 bis 50 Stunden pro Woche. Außerdem bin ich Betreuer meiner greisen Mutter. Mit meinen Söhnen unternehme ich viel. Unter anderem gehen wir jeden Samstag zum Familiensport. Wir haben einen Kleingarten in Wilmersdorf, in dem wir in der warmen Jahreszeit viel Zeit verbringen. Seit März 2009 bin ich Vorsitzender des Regionalvereins der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind. Ich betreue diverse Webpräsenzen, unter anderem für die DGhK Berlin-Brandenburg und unser Haus. In jeder freien Minute dazwischen spiele ich Klavier oder Gitarre.

Ich lese regelmäßig Heise Online, Spiegel Online, Slashdot, Planet MySQL, Technology Review und Bild der Wissenschaft, um halbwegs auf dem Laufenden zu bleiben. Neben Dutzenden beruflicher Mailinglisten lese ich die Elternliste und die Mailingliste Betreuungsrecht (und schreibe dort auch regelmäßig Beiträge). Zu jeder Zeit habe ich mindestens ein halbes Dutzend Bücher, das ich verzweifelt versuche zu lesen, aber da ich ohnehin beruflich ständig lese, habe ich nicht besonders viel Durchhaltevermögen. Im ersten Halbjahr 2009 habe ich es immerhin geschafft, das wundervolle Buch Schnellkurs Mathematik zuende zu lesen. Daneben lese ich natürlich auch etliche Kinderbücher, besonders gern die Geschichten von Dr. Seuss. The Cat in the Hat ist eins meiner absoluten Lieblingsbücher, schon wegen der Aufräummaschine.

im Übrigen wohnen sie in einem ausgesprochen musikalischen
Haus. Wir haben bei unseren weniger als 20 Mietparteien allein 4
Gitarristen und 1 Schlagzeuger, meine Jungs nicht mitgerechnet. Wenn ich
wie heute Mittag mit Finn zum Einkaufen fahre und dabei einem Nachbarn
begegne, der gerade die Gitarre in der Küche zur Seite gelegt hat, um
ebenfalls zum Einfahren zu gehen, während ein anderer Nachbar soeben aus
dem Übungsraum zurückkommt, weiß ich, dass hier fundamental einiges in
Ordnung ist.

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